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Orange the World – #16Days

Artikel vom 25. November 2025

Orange The World 2025 – Stopp Gewalt gegen Frauen

25. November bis 10. Dezember

Jedes Jahr macht die UN-Kampagne Orange The World auf die weltweite Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam. Die Aktion beginnt am Internationalen Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen am 25. November und endet am Tag der Menschenrechte am 10. Dezember. 2025 steht die Kampagne unter dem Motto „Stopp Gewalt gegen Frauen“. Ziel ist es, ein starkes gesellschaftliches Signal zu setzen: Gewalt gegen Frauen darf kein Tabuthema sein.


Gewalt gegen Frauen – ein weltweites Problem

Gewalt gegen cis- und trans Frauen ist eine der am stärksten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen weltweit. Sie wirkt sich sowohl körperlich, psychisch als auch ökonomisch aus und hindert Frauen und Mädchen daran, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Gewalt oder die ständige Angst davor durchzieht alle Lebensbereiche – von der Partnerschaft über die Arbeitswelt bis hin zur digitalen Welt.

Begriffsklärungen:

  • Geschlechtsbasierte Gewalt (Gender-based violence, GBV): Gewalt gegen Menschen aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer Geschlechtsidentität. Dies schließt auch queerfeindliche Gewalt ein.

  • Überlebende*r von Gewalt (Survivor): Bezeichnet Menschen, die Gewalt erlebt haben. Der Begriff betont die Handlungsfähigkeit der Betroffenen im Gegensatz zu der oft passiv konnotierten Bezeichnung „Opfer“.

  • Gegenseitiges Einverständnis (Consent): Zustimmung zu sexuellen oder körperlichen Handlungen muss freiwillig, aktiv und jederzeit widerrufbar erfolgen.

  • Rape Culture & Victim Blaming: Gesellschaftliche Strukturen, die sexualisierte Gewalt normalisieren und die Verantwortung auf die Betroffenen verschieben.


Formen von Gewalt gegen Frauen

Gewalt gegen Frauen und Mädchen tritt in vielen Formen auf:

1. Partnerschafts- und häusliche Gewalt

Partnerschaftsgewalt – auch häusliche Gewalt genannt – ist eine der am weitesten verbreiteten Formen geschlechtsspezifischer Gewalt. Sie dient der Machtausübung und Kontrolle über den Partner oder die Partnerin und kann sich als körperliche, sexualisierte, psychische, emotionale oder ökonomische Gewalt äußern. Häufig beginnt sie mit verbaler Gewalt und eskaliert über die Zeit.

  • Finanzielle Gewalt: Kontrolle über Geld und Ressourcen

  • Psychische und emotionale Gewalt: Manipulation, Einschüchterung, Herabsetzung

  • Körperliche Gewalt: Schläge, Tritte, andere körperliche Übergriffe

  • Sexualisierte Gewalt: Zwang zu sexuellen Handlungen, sexuelle Belästigung

2. Femizid

Femizid bezeichnet die gezielte Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts. Die meisten Fälle geschehen im Kontext (Ex-)Partnerschaften, die bereits von Gewalt, Machtungleichgewicht und Drohungen geprägt sind.

3. Sexualisierte Gewalt

Sexualisierte Gewalt umfasst alle Handlungen, die eine Person belästigen oder gegen ihren Willen zu sexuellen Handlungen zwingen. Dazu zählen u. a. Vergewaltigung, sexualisierte Belästigung und „corrective rape“. Im Gegensatz zu „sexueller Gewalt“ geht es hier nicht um Sex, sondern um Machtausübung und Diskriminierung.

4. Digitale Gewalt

Digitale Gewalt richtet sich gegen Frauen im Online-Raum und umfasst u. a.:

  • Cybermobbing

  • Unaufgefordertes Sexting

  • Doxing

  • Revenge Porn

  • Cyber-Stalking

  • Deep Fakes

  • Hatespeech

  • Cyber Grooming

Digitale und analoge Gewalt verstärken sich oft gegenseitig.

5. Gewalt in der Geburtshilfe

Hierunter fallen körperliche Misshandlungen, Beleidigungen, ungewollte medizinische Eingriffe, Verweigerung von Schmerzbehandlung oder Vernachlässigung während der Geburt.

6. Menschenhandel

Menschenhandel beinhaltet Zwang, Betrug oder Täuschung, häufig verbunden mit sexualisierter Ausbeutung, Zwangsprostitution oder erzwungenen pornografischen Inhalten.

7. Weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C)

FGM/C umfasst das absichtliche Beschneiden oder Verletzen weiblicher Genitalien aus nicht-medizinischen Gründen. Die Praktik verursacht extreme körperliche und psychische Schäden, häufig schon im Kindesalter.

8. Zwangs- und Kinderheirat

Eine Zwangsverheiratung erfolgt gegen den Willen mindestens einer der Partner:innen, oft unter Druck oder Gewalt. Kinderheirat betrifft Minderjährige unter 18 Jahren und bringt hohe Risiken wie Schulabbruch, Frühschwangerschaft und Gewalt mit sich.


Gewalt gegen Frauen in Deutschland 2024

Die Lagebilder des BKA (Nov. 2025) zeigen alarmierende Zahlen:

  • 132 Frauen wurden 2024 von ihrem (Ex-)Partner getötet.

  • Fast täglich gab es einen Tötungsversuch: 308 Frauen Opfer von (versuchtem) Mord oder Totschlag.

  • 171.069 Personen (135.713 Frauen, 35.356 Männer) von Partnerschaftsgewalt betroffen (+1,9 % gegenüber 2023).

  • 4.634 Frauen erlebten sexualisierte Gewalt durch ihren (Ex-)Partner.

  • 12.912 Frauen wurden schwer oder gefährlich körperlich verletzt.

  • Opfer digitaler Gewalt stiegen auf 18.224 Frauen (+6 %).

  • 53.451 weibliche Opfer von Sexualdelikten, knapp die Hälfte minderjährig.

Diese Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit, Gewalt gegen Frauen konsequent zu bekämpfen.


Gemeinsam aktiv werden

Es gibt viele Möglichkeiten, sich einzubringen:

  1. Stellung beziehen in sozialen Medien

  2. Politische Forderungen unterstützen

  3. Petitionen unterzeichnen, z. B. für ein strafbares Catcalling

  4. Informieren und aufklären

  5. Zeichen in Orange setzen, z. B. Kleidung, Dekoration, Aktionen


Spenden und Unterstützung

Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die Arbeit von UN Women Deutschland:

  • Gesetze, die Frauen und Mädchen schützen

  • Aufklärungsarbeit zu Gewaltprävention

  • Kampagnen wie Orange The World

Spendenmöglichkeiten: einmalig, regelmäßig oder als Unternehmen; auch Charity-Armbänder erhältlich. Ihre Spende ist steuerlich absetzbar und wird sicher übertragen.


Weiterführende Informationen und Hilfe

Bei akuter Gefahr oder Gewalt:

  • 24/7 erreichbare, kostenlose und anonyme Hilfe

  • Digitale Gewalt: Informationen z. B. bei Hate Aid

Weitere Materialien, internationale Vereinbarungen und Projekte wie den UN Trust Fund zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen finden Sie auf unserer Website.

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